Nov-7-2009
Englands Hoffnungen im Leichtgewicht
Von Jan Großöhmigen
Michael Bisping ist unbestritten das größte Aushängeschild des englischen MMA-Sports. Ihm dicht auf den Fersen ist der freche und charismatische Dan Hardy, der immer mehr in der Gunst der Fans steigt. Neben diesen
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UFC 106 Official Event Program
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beiden etablierten Kämpfern gibt es einige junge Kämpfer auf der britischen Insel, sich die immer mehr in den Vordergrund drängen. Am 14. November werden die Leichtgewichte Paul Kelly, Ross Pearson und Terry Etim bei UFC 105 in Manchester ihr Heimatland vertreten.
Paul Kelly hat es geschafft: Bis vor weniger als zwei Jahren saß er noch begeistert im Publikum, als die UFC in England Veranstaltungen abhielt. Seit Januar 2008 ist er selbst aktiv daran beteiligt. Bei UFC 105 darf sich der Schützling von Michael Bisping das Octagon mit einem seiner großen Vorbilder teilen, dem fünffachen Champion Randy Couture.
„Ich war ein Fan von Randy und der UFC, bevor ich überhaupt darüber nachdachte, selbst zu kämpfen“, erzählt Kelly. „Ich habe damals alle Kämpfe von Randy gesehen und niemals vorgehabt, selbst zu kämpfen. Ich war einfach nur ein riesengroßer Fan von Randy und liebte den Sport. Er hat mich dazu inspiriert, in meiner Nähe eine Kampfsportschule zu besuchen und ein bisschen zu ringen. Ein paar Jahre später bin ich in der UFC und kämpfe bei derselben Veranstaltung wie Randy.“
Kelly gab im Juni dieses Jahres sein Debüt im Leichtgewicht. Zuvor gewann er zwei von drei Kämpfen im Weltergewicht. Bei UFC 99 in Köln besiegte der 25 Jahre alte Liverpooler den BJJ-Schwarzgurt Rolando Delgado nach Punkten. Es war nicht die beste Leistung Kellys, der vom Gewicht abkochen geschwächt war und Probleme damit hatte, sich seine Energie richtig einzuteilen. Gegen Dennis Siver aus Mannheim, der ihn am 14. November im Käfig erwartet, wird ihm das nicht mehr passieren.
„Wenn Dennis in Topform auftaucht, wird es einen großartigen Krieg geben“, prophezeit Kelly. „Er ist zu klein, um ständig zu rennen und sich zu bewegen. Er wird mir Auge in Auge gegenüber stehen und sich eine Schlacht mit mir liefern. Ich weiß, dass Dennis gut zuschlagen kann, deswegen wird das sehr interessant. Er ist ein ehemaliger Kickboxer und ein sehr gefährlicher Striker. Ich würde mich gerne richtig mit ihm fetzen!“
Auch wenn Kelly nichts anderes mehr im Sinn hat, als Siver eine gehörige Tracht Prügel zu verpassen, so hat er doch nur lobende Worte für seinen deutschen Gegner übrig. „Als Person mag ich Siver sehr“, meint Kelly. „Ich habe ihn ein paar Mal getroffen und eine Autogrammstunde mit ihm gemacht. Als wir beide in Deutschland gekämpft haben, sind wir zusammen in der Sauna gewesen und haben Gewicht abgekocht. Ich mag den Typen und kann nichts Schlechtes über ihn sagen. Er ist in Deutschland ein wirklicher guter Botschafter für unseren Sport und es wird mir eine Freude sein, gegen ihn zu kämpfen.“
Obwohl er Siver respektiert, geht Kelly doch sehr zuversichtlich in den Kampf. „Ich sehe voraus, dass Dennis mit meinen ringerischen Fähigkeiten Probleme haben wird. Seine Judowürfe sind nicht ohne, aber ich glaube, dass ich im Clinch und im Ringen stärker sein werde. Wenn er dazu gezwungen ist, mit mir im Stand zu kämpfen, glaube ich, dass ich ihn im Stand dominiere. Dann, wenn sich der Kampf auf den Boden verlagert, könnte es meine Chance sein, ihn durch Aufgabe oder Ground & Pound zu beenden. Es gibt viele Wege, wie ich diesen Kampf gewinnen kann.“
Im Vergleich zu Kelly, der vier Kämpfe in der UFC hinter sich hat, ist Ross Pearson ein echter Neuling. Der bullige Glatzkopf aus Sunderland gewann die neunte Staffel von The Ultimate Fighter, die unter dem Motto „USA vs. Großbritannien“ stand. Das Finale fand im Juni statt. Seitdem wartet der gelernte Maurer auf seinen ersten Auftritt abseits der Realityshow – bei UFC 105 ist es soweit.
„Auf diesen Moment habe ich gewartet, seitdem ich anfing, meine alten UFC-DVDs zu sehen. Ich habe davon geträumt, eines Tage im Octagon anzutreten“, freut sich der 25 Jahre alte Pearson. „Manchmal sehe ich mir die alten UFC-Veranstaltungen zwischen meinen Trainingseinheiten an. Es ist schon verrückt, dass ich jetzt ein Teil davon bin. Ich kein Fan der UFC mehr, ich bin einer der Kämpfer. Ich bin aufgeregt, nervös und gespannt, weil ich endlich diese Chance bekomme. Genau darauf habe ich mein ganzes Leben lang hingearbeitet und am 14. November habe ich endlich die Gelegenheit, loszulegen.“
An diesem Tag trifft Pearson auf den Veteranen Aaron Riley, der bereits 40 MMA-Kämpfe bestritten hat. „Ich habe viel Respekt vor dem, was Aaron bislang in seiner UFC-Karriere erreicht hat – aber er hat noch nicht gegen mich gekämpft“, sagt Pearson. „Niemand weiß, wie er mit mir zurechtkommen wird. Ich denke, dass Aaron mit seinen Schlagkombinationen geradewegs auf mich zumarschieren wird und seine Schläge nutzt, um ein Takedown vorzubereiten. Er wird mich anschauen und jemanden sehen, dessen Hände schnell und explosiv sind. Und er wird merken, dass ich im Stand sehr gefährlich bin. Ich glaube nicht, dass er im Stand viel riskieren wird, sondern lieber versuchen wird, mich auf den Boden zu bringen.“
„Ich denke, dass in diesem Kampf unser Willen getestet wird und es darum geht, wer den Sieg mehr will“, meint Pearson weiter. „Ich könnte mir auch vorstellen, dass Aaron wild um sich schlägt und mich damit überraschen will. Er wird verzweifelt versuchen wollen, mich in meiner Heimat auszuknocken. Er wird nicht den ganzen Weg aus den Vereinigten Staaten herkommen, um sich hinzulegen und sich verhauen zu lassen. Für Aaron steht in diesem Kampf viel auf dem Spiel. Jetzt, da ich der Sieger von The Ultimate Fighter bin, fühle ich mich, als wäre ein großes Kopfgeld auf mich aufsetzt. Es gibt viele Typen da draußen, die mich verhauen und bloßstellen wollen.“
Terry Etim wurde der breiten Fanmasse nicht über The Ultimate Fighter bekannt, er konnte auch nicht auf die Unterstützung eines berühmten Teamkollegen bauen. Doch durch seine guten Leistungen im Octagon ist er immer mehr Fans auf der ganzen Welt ein Begriff. Mittlerweile vergleicht UFC-Kommentator Joe Rogan ihn sogar mit dem Mittelgewichtskönig Anderson Silva. Am 14. November wird der 23 Jahre alte Thaiboxer versuchen, seinen vierten Sieg in Folge einzufahren – an einem Ort, der etwas ganz Besonderes für ihn ist.
„Ich freue mich sehr, wieder in der MEN Arena zu kämpfen“, erzählt Etim. „Ich habe in meiner Karriere schon zweimal dort gekämpft und beide Male waren absolut denkwürdig. Als ich dort zum ersten Mal kämpfte, war Mike Tyson der Ringrichter und beim zweiten Mal feierte ich mein UFC-Debüt. Ich habe beide Kämpfe in der ersten Runde durch Aufgabe gewonnen, von daher habe ich sehr gute Erinnerungen an die MEN Arena. Für mich ist sie zu so etwas wie einem guten Omen geworden.“
In seinem Debüt bei UFC 70, im jungen Alter von 21 Jahren, besiegte Etim den Ringer Matt Grice mit einem Guillotine Choke. „Das war einer dieser Abende, die man nie vergisst“, erinnert sich Etim an seinen zweiten Kampf in der MEN Arena. „Ich habe immer davon geträumt, in die UFC zu kommen und solche Abende und eine solche Atmosphäre zu erleben. Die Halle war brechend voll und die Fans haben jeden Kämpfer unterstützt. Sie kamen zum ersten Kampf und blieben bis zum Hauptkampf. Jeder Kämpfer bei der Veranstaltung wurde von ihnen behandelt, als würde er im Hauptkampf antreten.“
Nach diesem Kampf musste Etim zwei Niederlagen einstecken – Punktniederlagen gegen die Veteranen Gleison Tibau und Rich Clementi. Danach machte es bei ihm „klick“ und er gewann dreimal hintereinander sehr eindrucksvoll. Im Juni dieses Jahres zwang er Justin Buchholz beim Deutschlanddebüt der UFC zur Aufgabe und fuhr gleichzeitig seinen zweiten Bonus für den „Besten Aufgabegriff des Abends“ ein.
Bei UFC 105 trifft Etim auf Shannon Gugerty, einen starken Bodenkampfspezialisten, der nur einen seiner letzten zehn Kämpfe verloren hat. „Gugerty ist ein vielseitiger Kämpfer, aber ich denke, dass ich in jeder der einzelnen Disziplinen besser bin als er“, gibt sich Etim zuversichtlich. „Ich denke, dass ich im Striking die Nase vorn habe und glaube zudem, dass ich auch auf dem Boden besser bin als er. Ich weiß, dass er für seine Aufgabesiege bekannt ist, aber seid nicht überrascht, wenn ich ihn selbst zur Aufgabe zwinge. Mir macht es nichts aus, mit ihm auf den Boden zu gehen, wenn er das so will. Ich habe in meinem letzten Kampf bewiesen, dass ich auf dem Boden mit einem Gegner mithalten und den Kampf dort auch beenden kann, wenn es sein muss. Ich habe niemals Angst davor, auf den Boden zu gehen.“
Paul Kelly, Ross Pearson und Terry Etim – drei junge Leichtgewichte, die über unterschiedliche Wege in die UFC gekommen sind. Ihr Ziel bleibt jedoch dasselbe: England in der größten MMA-Organisation der Welt würdig zu vertreten und der erste Brite zu werden, der in der UFC einen Titel hält.
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